HELMUT-LIST-HALLE
  
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Glückwünsche an jene die diese Halle gebaut bzw. ermöglicht haben. Beat Furrer

 



 

Akustik

  Details für Neugierige



  
Die ehemalige Fabrikshalle
wurde zum "Akustik-Labor",
bereit anspruchvollsten Musikbetrieb zu bewältigen.

Die akustischen Berechnungen
der Experten Karlheinz Müller, Nikolaus Harnouncourt, Beat Furrer, Bernhard Lang, Gerd Kühr sowie Franz Brandl in der aus massivem Holz ausgeführten Halle sind genau eingetroffen: Der Saal ist – ähnlich einem Instrument – zum "klingenden Resonanzraum" geworden.

 






Um dieses Ziel zu erreichen, war nicht nur die Beratung namhafter Akustikexperten Gold wert, sondern natürlich auch einige bauliche Maßnahmen vonnöten.

  Raumakustische Einbauten


Die Decke

Die ehemalige Stahlkonstruktion wurde durch Holzleimbinder ersetzt und
ist nunmehr dreischalig aufgebaut: Die erste Schale besteht aus Bekiesung, Dämmung, Tragstruktur, die zweite aus Gipskartonverkleidung auf Federbügel gelagert und die dritte Schale aus 40 bis 60 Millimeter starken Vollholzelementen in faltwerkartiger Anordnung.










 
Damit die HALLE (Teil B) absolut flexibel bespielbar, also die Position der Bühne und ZuschauerInnen nicht vorab festgelegt ist, wurde die Decke in kleine Felder unterteilt und gleichmäßig gebogen ausgeführt.
Die strahlengeometrische Untersuchung zeigt,
dass dadurch eine gute Schallfeldverteilung
im ZuhörerInnenbereich und auf dem Podium
erreicht werden kann.
 


Der Boden

Der Boden besteht aus einer 28 cm dicken Betonplatte, die auf Sylomerstreifen eingefedert ist. Diese Sylomerstreifen sind 40 cm breit,
5 cm hoch und liegen in einem Achsabstand von 260 cm.


Die Wände

Die mehrschalig aufgebauten Längswände, deren  Außenschale bis zum ersten Obergeschoß aus Beton und danach aus einer doppelschaligen Holzkonstruktion besteht, sind in den Hohlräumen mit gebranntem Sand gefüllt. Um sogenannte Flatterechos zwischen parallelen Wänden zu vermeiden, sind die Seiten- und Stirnwände gefaltet ausgeführt.
Zusätzlich sind an den Stirnwänden Schallabsorber montiert, somit
wird eine ausgeglichene Nachhallzeit erzielt.



Die Seitenwände

Vom Boden bis zur Höhe von 2,30 Meter wurden dreieckig gefaltete,
28 Millimeter dicke und herausnehmbare Massivholzplatten eingesetzt
und daran anschließend, bis zu einer Höhe von 8,70 Meter, ebenfalls dreieckig gefaltete, 40 Millimeter dicke Platten, die danach in Gipskartonplatten übergehen.

  
Als variable Maßnahme können vor den Seitenwänden Vorhänge angebracht werden, die dazu dienen, die Absorptionsfläche
zu erhöhen.
 


Die Saalrückwand

Die bis zu einer Höhe von 2,30 Meter reichenden Eingangstüren, die
vom FOYER (Teil A) in die HALLE (Teil B) führen, gehen ab 2,60 Meter in
eine dreieckig gefaltetene Betonwand über, welche mit Schallabsorbern, Mineralwolle und Sperrholz, für verschiedene Frequenzen (breitbandige Höhenabsorber und Plattenschwinger) versehen ist. Als Abdeckung dient
ein Stahlgitternetz mit akustisch definiertem Lochflächenanteil.




Die Podienwand

Vom Boden bis zur Höhe von 2,30 Meter sind direkt an der Wand zwischen HALLE (Teil B) und BACKSTAGE (Teil C) Mineralfaserplatten mit Vliesauflage als Schallabsorber angebracht. Ab einer Höhe von 2,60 Meter übernimmt wieder die dreieckig gefaltete Betonwand mit Tiefabsorbern und Plattenschwingern in verschiedenen Resonanfrequenzen.
Als Abdeckung dient ein Stahlgitternetz mit einem akustisch
definierten Lochflächenanteil.

  Planung einer Beschallungsanlage für den Live-Betrieb oder
was macht eigentlich der/die TontechnikerIn vor einem Konzert?



Vorgabe

Als erstes werden natürlich alle notwendigen raumakustischen Parameter erhoben, diese fließen in die Planung ein und somit ergibt sich schrittweise eine optimale Beschallungslösung.


Ein Beispiel:
Für die Veranstaltung "Robert Stolz-Revue" im Jahr 2003 lag
ein Plan mit Tribünen- und Bühnensituation vor.

Es sollten 1.102 BesucherInnen Platz finden und auf der Bühne ein mittelgroßes Orchester zum Einsatz kommen. Im vorderen und seitlichen Bereich der Bühne bewegten sich SolistInnen, die mit Miniaturmikrofonen elektroakustisch gestützt bzw. verstäkt wurden. Zusätzlich musste ein Synthesizer und eine E-Gitarre zum akustischen Gesamtklang des Orchesters gestützt werden. Ein Moderator, der durch die Revue führte, wurde mit einem Lavaliermikrofon elektroakustisch verstärkt.





Die vorliegenden Berechnungen für die Beschallung wurden
mit einem computergestützten Raumsimulator optimiert.


Raumsituation und Nachhallzeit

Für das Raumvolumen der HELMUT-LIST-HALLE von ungefähr 13.500 m3 beträgt die optimale mittlere Nachhallzeit (z.B. gem.ÖNORM 8115-3) für:
- Elektroakustischen Einsatz: 1,24 Sekunden
- Sprache: 1,31 Sekunden.



Die gemessene Nachhallzeit im leeren Raum
verringert sich während
der Veranstaltung noch durch folgende Absorptionsmaterialien:

a) 1.102 Personen
b) Orchester auf circa 50 m3
c) Vorhänge an den Seitenwänden
(Abstand von Wand ungefähr 30 Zentimeter)
d) mittlere Absorption für Bühnenaufbauten (Dekoration).



Die hiermit berechnete mittlere Nachhallzeit
in der Halle beträgt ca. 1,45 Sekunden.






Sprachverständlichkeit  %Alcons

Einer der wesentlichen Erwartungswerte in der Beschallungstechnik ist die Sprachverständlichkeit. Dieser naturgemäß höchst subjektive Wert entzieht sich jedoch einer exakten Berechnung oder Messung, da die Beurteilung, ob etwas verstanden wurde, von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist.



Einige Verfahren zur Messung der Sprachverständlichkeit wurden vorgeschlagen, diese werden teilweise bereits in internationalen und nationalen Normen erwähnt. Die Arbeit an diesem Thema wird noch fortgeführt. Zur Beurteilung der Sprachverständlichkeit wird hier nun
der „Artikulationsverlust von Konsonanten“ nach Peutz, bzw.
Ahnert für Berechnungen verwendet.



Der "Alcons" wird üblicherweise als Prozentsatz mit dem Symbol
%ALcons ausgedrückt und wird aus statistischen Ergebnissen der Übertragungsprüfung mit speziell ausgewählten, einfachen Worten
bestimmt. Rechnerisch ergibt sich der Wert aus den raumakustischen Parametern Nachhallzeit, Hallradius, Bündelungsgrad der Quelle
und der Entfernung Quelle-HörerIn.



In diesem Beispiel wurde der %ALcons für
die Tribüne und
den Bereich neben der Bühne bestimmt:
Die Sprachverständlichkeit war im gesamten ZuschauerInnenbereich
als ideal bis gut zu erwarten.





Erläuterung zum Artikulationsverlustmaß (Alcons):

Alcons< 2% ideale Sprachverständlichkeit
Alcons= 2..7% gute Sprachverständlichkeit
Alcons> 7% befriedigende Sprachverständlichkeit
Alcons>20% unbrauchbare Sprachverständlichkeit




Direktschallverteilung

Die Nachhallzeit beschreibt - neben dem Reflexionsverhalten der Wände - die empfundene Naturakustik (auch: Architekturakustik, Raumakustik)
eines Raumes.



Eine Beschallungsanlage kann diese Naturakustik nicht verändern, auch
die Nachhallzeit kann nicht reduziert werden. Aber es ist natürlich möglich, das beste Klangergebnis aus einem Raum herauszuholen:
Mittels gerichteter Lautsprechersysteme kann der Direktschallanteil erhöht werden und damit zum Beispiel die Deutlichkeit und Klarheit von Sprache und Musik gefördert werden.



Ziel der Planung war es, die Lautsprechersysteme so auszuwählen, dass
der sogenannte Hallradius (damit wird der Bereich bezeichnet, in dem
der Direktschall dem diffusen Schall überwiegt) vergrößert wird und alle ZuhörerInnen ausreichend mit Direktschall versorgt werden.



Die Schallpegelverteilung erfolgt gleichmäßig über dem gesamten ZuschauerInnenbereich, lediglich im hintersten Bereich der Tribüne
erfolgt ein Abfall des Direktschalls von 2-3 Dezibel (db).



Der mit der vorliegenden Beschallung erreichte Gesamtschallpegel
(Summe aus Direktschall und Diffusschall) beträgt 110 db.

Bei einem zu erwartenden Grundgeräuschpegel der ZuschauerInnen von ungefähr 50-60 db, und einem Gesamtschallpegel des Orchesters von circa 80 db, ist somit die Beschallungsanlage ausreichend dimensioniert.




Routing

Herz der elektroakustischen Anlage ist eine digitale Audiomatrix, die
die Audiosignale von der Bühne, über das Mischpult zu den gewünschten Lautsprechern verbindet („Routing“). Für jede Veranstaltung kann ein eigenes Setup festgelegt und so sehr schnell auf verschiedene Beschallungssituationen reagiert werden.



Die Matrix bietet viele Funktionen für die Signalverarbeitung wie Delay, Compressoren, Equalizer, Submixer, etc. Damit können sowohl die Lautsprecher eingemessen als auch der Saal-Sound gestaltet werden.

Nach der digitalen Matrix müssen dann natürlich die analogen Signale
auf einem Patchfeld „händisch“ mit den Lautsprechern verbunden werden.




Rigging

Die Ergebnisse aus Simulationen und Berechnungen werden in Pläne umgesetzt, in denen die Position, die Hängepunkte, der Lautsprecher-Boxen eingezeichnet sind. Jeder einzelne Lautsprecher wird durch seine Position im Raum sowie die erforderlichen Anstellwinkel beschrieben.


 


"Rigging" bedeutet Aufhängen und Sichern der Lautsprecher. Das "Rigg" oder das „Trussing“ ist die Stahlkonstruktion, an der Licht- und Tontechnik befestigt werden können.




 
Geschulte und nervenstarke "Rigger"
bringen die Geräte
in oft schwindelerregender Höhe in Position und sichern die bis zu 80 Kilogramm schweren Geräte - gemäß den einschlägigen Normen und Richtlinien - gegen das Herabfallen.
 
 

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